Europäer verzichten auf Kampfkandidatur

Samstag, 20. Juni 2015 von Viola

von Andreas Herrmann

PES Congress BudaPESt

PES Congress BudaPESt

Nach dem Kongress der Sozialdemokratischen Partei Europas bleibt der Bulgare Stanishev Präsident. Barón Crespo gibt auf.

Mit einer ausgefallenen Überraschung endete am Sonnabend in Budapest der Kongress der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Beim Kampf um den Vorsitz bei der SPE fiel die erwartete Kampfkandidatur zwischen dem bulgarischen Amtsinhaber Sergei Stanishev (BSP) und seinem spanischen Herausforderer Enrique Barón Crespo (PSOE) aus.

Während es noch Stunden vor der Abstimmung bei den Delegierten der sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien aus über 30 Ländern Europas intensive Diskussionen zu beiden Personalien gegeben hatte, zog Crespo seine Kandidatur nach einer eindrucksvollen Rede überraschend zurück.

Beobachter in Budapest werten das als Ausdruck der Unsicherheit in den Reihen der spanischen Sozialisten, die nach ihrem Debakel zu den Europawahlen 2014 mit Pedro Sánchez gerade einen neuen Hoffnungsträger aufbauen. Eine Stimmniederlage für Enrique Barón Crespo gegen den Bulgaren Stanishev hätte das neue Image als europäische Sozialpartei, das sich die PSOE im Moment zu geben versucht, empfindlich beschädigt.

Im Wahlgang stimmten von den 419 Delegierten aus der sozialistischen Parteienfamilie dann 69, 9 Prozent für Stanishev, 16, 5 Prozent mit „nein“ gegen ihn. 13, 3 Prozent enthielten sich bei einigen ungültigen Stimmen.

Davor hatte Crespo als früherer Präsident des Europäischen Parlaments vor allem an das Gemeinschaftsgefühl aller Europäer appelliert, das mit dem Vertrag von Maastricht neue Impulse bekommen habe, die jedoch immer weiter fortgesetzt werden müssten.

Bei der Diskussion um weltweiten Fortschritt solle man aktuell nicht nur mit den USA, sondern genauso mit China und den Schwellenländern reden sowie die Doha-Runde fortsetzen. Europas Sozialisten müssten schon jetzt im Hinblick auf die Europawahl 2019 eine Führungsrolle übernehmen und sich vor allem von der Europäischen Volkspartei (EVP) abgrenzen.

Mit den Worten, dass er immer ein Mann der Taten gewesen sei, erklärte er danach den Verzicht auf seine Kandidatur zugunsten des ehemaligen bulgarischen Ministerpräsidenten Stanishev, der die SPE seit 2011 als Nachfolger des Norwegers Poul Nyrup Rasmussen führt.

Vor Stanishev, der an der Moskauer Lomonossow- Universität studierte und von 2005 bis 2009 bulgarischer Ministerpräsident war, steht nun die Aufgabe die SPE als breite soziale Kraft wirklich voranzubringen. „Ich fühle mich geehrt und weiß, dass harte Arbeit vor mir steht, damit Sozialismus und Sozialdemokratie in Europa wachsen können. Wir wollen Europa wirklich ändern“, sagte er nach seiner Wahl zum SPE-Vorsitzenden.

Er glaube, dass die SPE nur dann erfolgreich sein könne, wenn sie sich daran erinnere, dass es ihr Ziel sei, die Welt zum Besseren zu verändern. Ein würdiges Leben für jeden Einzelnen und eine faire und kohärente Gesellschaft, das seien seine Visionen. Mit diesem Vertrauen gehe er auch an die nächsten Europawahlen im Jahr 2019.

Die Tage vor der Kandidatur, als noch der Name des engagierten Gegners der Franco-Diktatur, Enrique Barón Crespo im Raum stand, seien für ihn besonderer Anlass gewesen sich und sein politisches Handeln zu prüfen. Er wolle deshalb noch mehr an einem sozialen Europa arbeiten. Es könne nicht sein, dass einige EU-Staaten angeblich zu arm sind, um sich eine gute Sozialpolitik zu leisten. Nach dem 2. Weltkrieg wäre das auch gegangen.

Stanishev will nun besonders gegen Arbeitslosigkeit, antieuropäische Tendenzen und Steuervermeidung kämpfen. Dabei sei die SPE keine Brüsseler Partei, sondern Kern einer europäischen Allianz, die sich für soziale Belange einsetze.

Deutsche SPE-Aktivisten eher für den Spanier

Die deutschen Aktivisten in der SPE – eine Art europäische Basisbewegung innerhalb der SPD – hatten sich vorher eher für den Spanier ausgesprochen und versucht die deutschen Delegierten in einem Brief dementsprechend einzustimmen. Crespo stehe ihrer Meinung nach besser für einen föderalen und sozialen Weg der EU. Man wolle ein Europa, das vorbildhaft sei und seine Politik am Maßstab der europäischen Grundrechtecharta orientiere.

Dies bedeute konkret auch, dass man sich für eine gemeinsame Flüchtlingspolitik mit Quoten einsetzen wolle, die allen Hilfesuchenden die Chance gebe, sich ein besseres Leben in Europa zu schaffen. Außerdem stehe man klar gegen die Korruption in Ost- und Westeuropa. Neue Ideen, neuer Mut, klare Worte für ein föderales Projekt, für ein exemplarisches Europa, das sei es, was europäische Sozialdemokraten von ihrem neuen SPE Präsidenten erwarten.

Leider habe die SPE unter der Führung von Sergei Stanishev diese Rolle nicht gespielt und sich immer von den Interessen der Mitgliedstaaten beeinflussen lassen. Barón Crespo sei ein überzeugter Föderalist und bekannt dafür, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vor die Interessen der Mitgliedsstaaten zu stellen, so Gabriel Richard-Molard, Sprecher der deutschen SPE-Aktivisten.

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#we_are_all_immigrants

Dienstag, 03. März 2015 von Viola

Am vergangenen Wochenende fand unser Workshop zu drei Hauptpunkten statt. Zum einen haben wir über das Papier der Leipziger SPE Citygroup „Manifest der Europäer in der SPD“ beraten und zum anderen das gemeinsame Projekt mit drei anderen europäischen Citygroups (Salamanca, Kreta, Rom) angeschoben. Das Video gibt einen ersten Eindruck. Den Abschluss bildete die Jahresplanung.

#schulzmobile oder „Das Manifesto-Experiment“

Dienstag, 27. Mai 2014 von Viola
schulzmobile

#schulzmobile

 

Es begann mit einer Idee, die zeigen sollte wie schwierig es ist von einem Ort zum anderen zu kommen und dennoch deutlich machen sollte, dass wir alle miteinander verbunden sind – Europäer eben!

Wir brachen einfach auf, trugen das PES Manifesto mit uns, das erst kürzlich in Rom verabschiedet wurde und reisten durch Europa. Lissabon, Madrid, durchquerten Frankreich, erreichten Venetien, weiter vorwärts nach Wien, Linz, Zagreb, Ljubljana, Athen, Sofia, Bukarest, Budapest, kreuzten Slowenien auf dem Weg nach Berlin. Weiter nach Brüssel, Paris und zurueck nach Lissabon über Madrid. Wir, das sind vier SPE Aktivisten aus drei Ländern; Portugal, Deutschland und Ungarn. Gemeinsam sammelten wir Unterschriften der MEP’s oder Kandidaten fürs EP aus den einzelnen Ländern unter dem Manifesto und machten mit beim Wahlkampf für Martin Schulz, den ersten gemeinsamen europäischen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten. Innerhalb von drei Wochen machten wir deutlich wir sehr wir alle in Europa in zweierlei Hinsicht (und darüber hinaus) verbunden sind, trotz der zum Teil schlechten Verkehrsnetze (hier besteht ebenso Handlungsbedarf), sitzen wir doch in Sachen Jugendarbeitslosigkeit im selben Boot.

Das Netzwerk der SPE Aktivisten erwies sich bei diesem Trip als extrem hilfreich. Wir teilen dieselben Sorgen ebenso wie die Motivation zur Veränderung, den Spirit, den Mut zum Fortschritt – gemeinsam für ein neues Europa.

Mehr Einzelheiten findet ihr auf Twitter zum Hashtag #schulzmobile oder auf facebook.

#inthenameofthemanifesto

#inthenameofthemanifesto

„Knock the Vote III“

Samstag, 15. März 2014 von Viola
#knockthevote III

#knockthevote III

 

Anfang Februar kamen wir noch einmal in Brüssel zur Nachbereitung der letzten Treffen zusammen. Wir alle, gemeinsam für Martin Schulz, in ganz Europa!! Hier noch ein link zur begleitenden Dokumentation von euronews über #knockthevote und Martin Schulz als Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten:  http://euronews.com/2014/03/03/schulz-wins-one-horse-race-to-become-socialist-choice-for-top-eu-job/

 

Sylvia-Yvonne Kaufmann, Spitzenkandidatin der SPD Berlin für die Wahlen zum EP am 25.Mai 2014

Mittwoch, 12. Februar 2014 von Viola

Am 1.Februar 2014 trafen sich SPE-Aktivisten und Sylvia-Yvonne mit unseren italienischen GenossInnen der PD im KSH. Besonderer Dank gilt Federico Quadrelli, Präsident der PD Berlin für die gute Auftaktveranstaltung zum Gedankenaustausch über den gemeinsamen Europawahlkampf.

„Knock the Vote II“

Mittwoch, 12. Februar 2014 von Viola

KnocktheVote II Paris 2013

300  Aktivistinnen und Aktivisten der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE ) aus ganz Europa versammelten sich am ersten Wochenende im Dezember 2013 in Paris zum Auftakt der Kampagne für Martin Schulz, der Präsident der Europäischen Kommission werden will.

Martins Rede war gewohnt leidenschaftlich „Ich verlasse mich auf Euch, unsere Botschaft zu vermitteln , dass wir gemeinsam ein besseres Europa bauen  – ein Europa, das auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bedürfnisse von Menschen  ausgerichtet ist“.

Es wird Zeit das die sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien die grösste Gruppe im Europäischen Parlament bilden, damit Martin Schulz der neue Kommissionspräsident werden kann.

In Zweierteams haben wir einen Tag lang rund 300 AktivistInnen aus 28 Ländern für den Tür-zu-Tür Wahlkampf geschult.

PES Council in Sofia

Freitag, 30. August 2013 von Viola
Aktivistenforum Sofia 2013

Aktivistenforum Sofia 2013

Am 21. Juni 2013 fand das Aktivisten Forum in Sofia statt. Einen Tag bevor über das Grundsatzprogramm der PES/SPE abgestimmt werden sollte.

Über 100 Aktivisten füllten den Saal des Kongresszentrums und nahmen die Danksagung für die hilfreiche Einflussnahme auf das Grundsatzprogramm entgegen und lauschten der beherzten Rede Sergei Stanishevs über die derzeitige Situation in Bulgarien.

Der Prozess zur Erstellung des Grundsatzprogramms nahm drei Jahre in Anspruch, mir kam es deutlich länger vor, so wurde doch schon 2009 in Prag darüber gesprochen. Für das Wahlmanifest 2014 spielt das Programm nur eine hilfestellende Rolle, es soll ein Zehn-Punkte-Programm erstellt werden mit dem sich alle Länder identifizieren können. Die stellvertretende Generalsekretärin Marije Laffeber machte deutlich wie wichtig es für die Kampagne zur bevorstehenden Europawahl sei zusammenzuarbeiten. Die Rolle der Aktivisten werde in dieser Kampagne von grosser Bedeutung sein.

Generalsekretär Achim Post wies daraufhin das ein gemeinsames Manifest und ein gemeinsamer Kandidat die Schlüsselelemente für die Wahl im Mai 2014 seien um in Europa die Richtung anzugeben.

Die Wahlbeteiligung 2009 betrug im Schnitt nur 23%, dies gilt es mit allen Mitteln zu steigern. Die Aktivisten sind ein wichtiges Mittel der Motivation um das Ziel zu erreichen einen sozialdemokratischen Kommisionspräsidenten zu initiieren. Mobilisation der Wähler sei der Schlüssel zum Erfolg (no comment).

Im November wird es im zeitlichen Zusammenhang mit dem Bundesparteitag der SPD in Leipzig ein Forum für die Aktivisten geben. Im Februar folgt dann der PES/SPE Kongress.

Das einstimmig beschlossene allererste PES/SPE Grundsatzprogramm steht auf folgenden drei Säulen:

° Eine demokratische Kontrolle in der sozialen Marktwirtschaft

° Ein neuer sozialer „New Deal“ in Europa für Qualifikation, gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit – um ein erfülltes Leben zu ermöglichen

° Eine europäische Union der inneren Solidarität, die zugleich international für Frieden, Wohlstand und Fortschritt eintritt

Neben dem Grundsatzprogramm standen zwei Resolutionen zur Abtstimmung, die ebenfalls einstimmig angenommen wurden: European Youth Garantee und Industrial Policy für Wachstum und Beschäftigung. Sobald die Texte in deutscher Sprache vorliegen werden wir sie hier verlinken bzw. zum download zur Verfügung stellen.

PES/SPE Council Sofia 2013

PES/SPE Council Sofia 2013

Zum Wahlkampf nach Kroatien

Sonntag, 25. August 2013 von Viola
Wahlkampf in Kroatien/Zadar

Wahlkampf in Kroatien/Zadar

Die Einladung kam überraschend und meine Zusage war spontan. Was wusste ich über Kroatien, nicht viel, dass es am 1.7.2013 der EU beitreten würden, soviel war klar – also hin da! Vom 12.5.-19.5. nahmen 7  PES Aktivisten am Wahlkampf für die lokalen und regionalen Wahlen in den Städten Zadar und Šibenik teil. Zudem hatten wir die Möglichkeit in Split an der Veranstaltung zur Relauching Europe Kampagne teilzunehmen und Hannes Swoboda (Vorsitzender der S&D Gruppe im EP) zu treffen. http://www.relaunchingeurope.eu/split-you-and-the-eu-solidarity-and-opportunities/
Neben den klassischen Aktivitäten des Wahlkampfes wie Material versenden, Flyer stecken, Poster aufhängen und Vorbereiten von Infoständen bekamen wir die Gelegenheit zu Gesprächen mit dem Bürgermeister von Šibenik Dr Ante Županović,  MEP Kandidat Tonino Picula, Bürgermeisterkandidat Ivo Bilic (http://www.057info.hr/vijesti/2013-05-17/tonino-picula-podrzao-kandidaturu-ive-bilica) sowie Kroatiens Premierminister Zoran Milanović.
Am Wahltag ging es (sogar) mit offiziellem Beobachterstatus in die Wahllokale.
Neben all den politischen Aktivitäten besuchten wir den Krka Nationalpark und den Kornati Nationalpark und bekamen historische Einblicke der Städte Zadar und Šibenik.
Dieser Austausch war wirklich gelungen und zeigt auf grossartige Art und Weise das Zusammenwachsen der sozialdemokratischen Familie in Europa.
Mein spezieller Dank gilt unseren Gastgebern Nikola Turčinov und Krešo Šakić
Einen besonders gelungenen Artikel der lokalen Presse findet ihr hier: http://www.sibenik.in/sibenik/foto-castro-s-drugovima-dosao-podrzati-sibensku-ljevicu/10508.html
Kroatien Mai 2013

Kroatien Mai 2013

Rund 120 Wahlbeobachter der SPE aus ganz Europa bei den Parlamentswahlen in Bulgarien

Mittwoch, 22. Mai 2013 von Viola

Die Bulgarische Sozialistische Partei (BSP) konnte bei den Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag um mehr als zehn Prozent zulegen. Die Sozialisten erreichten 27,4 Prozent und erhalten voraussichtlich 85 der 240 Mandate. Auch wenn sie damit hinter der bisherigen Regierungspartei „Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens“ (GERB) liegen, für die 30,7 Prozent stimmten, halten sie sich Optionen für eine Regierungsbildung offen.

Ein Bericht von Yannick Haan

Aus irgendeinem unerklärlichen Grund wollte ich schon immer mal Wahlbeobachter werden. In meinem Verständnis waren das immer Menschen die sich friedlich für die Demokratie einsetzen. Vor einigen Wochen hat dann die Gruppe der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament Menschen gesucht die in Bulgarien die Wahlen als internationale Beobachter verfolgen. Aus mehreren Gründen habe ich mich dann als ‘Volunteer’ gemeldet.

Bevor man aber wirklich auf die Wahllokale losgelassen wird bekommt man zu allererst einen Stapel an Informationen – wie sieht das politische System des Landes aus, welche Probleme gibt es momentan, wie schätzt man die aktuelle Lage ein und wie funktionieren die Wahlen in Bulgarien. Mit diesem Stapel an Informationen folgen dann noch sehr viele Formulare die man während den Beobachtungen ausfüllen soll. Am Ende folgt dann noch ein längeres Briefing mit Vertretern der bulgarischen Wahlkommission die noch einmal das Wahlsystem erklären und erläutern welche Rechte man als internationaler Beobachter hat.

Als zweiten Schritt verteilten sich dann die 120 Wahlbeobachter, die sich vorher in Sofia getroffen haben, mit Bus, Auto oder Flugzeug über das ganze Land. Ich war beispielsweise in Dobritsch, einer recht armen Gegend im Nordosten des Landes unterwegs. Sprachliche, logistische und planerische Unterstützung haben wir von den lokalen Mitgliedern der Bulgarian Socialist Party bekommen. Nun ist dies natürlich sehr hilfreich, auf der anderen Seite ist man natürlich allein schon wegen der Sprache ziemlich abhängig von diesen Helfern ohne die man wenig erreichen kann.

Als erste Station sind wir dann gegen 7 Uhr zur Öffnung eines Wahllokales gefahren. Dort hat man uns nett begrüßt, war aber ein wenig überfordert mit dem gesamten Prozedere. Als man das Wahllokal eröffnet hat waren bereits Wähler da, die Damen hatten vergessen ihre Badges zu tragen und am Schlimmsten, erst nach einigen Wählern und unserem Hinweis kam man dann auf die Idee die Wahlurne auch zu versiegeln. Als Wahlbeobachter hat man die Möglichkeit auf Verstöße hinzuweisen und diese zu melden. Selber einschreiten sollte man als nicht. Nach 20 Minuten beobachten, Dokumente kontrollieren und mit den Verantwortlichen reden geht es dann weiter zum nächsten Wahllokal wo das gesamte Prozedere von vorne losging.

Am Ende haben wir uns dann auch noch das Auszählen in einem Wahllokal angeschaut. Zu unserem großen Leidwesen war dieses Wahllokal in einem Kindergarten untergebracht. Dies hatte zur Folge, dass wir 3 Stunden auf etwa 30cm hohen orangen Kinderplastikstühlen verbringen durften. Ist man erst einmal während des Auszählens im Raum darf man ihn bis zum Ende auch nicht mehr verlassen.

Insgesamt haben wir am Ende des Tages etwa 15 Wahllokale kontrolliert. Spätestens nach dem 3 Wahllokal hatte sich allerdings scheinbar schnell rumgesprochen, dass wir in der Gegend unterwegs sind. Das lokale Radio hat darüber berichtet und die lokalen Beobachter schienen untereinander auch gut vernetzt zu sein. Anders als in Deutschland, wo nur Mitglieder der Wahlkommission und Wähler im Zimmer zugelassen sind, dürfen in Bulgarien auch alle Parteien Beobachter für alle Wahllokale entsenden die dann im Zimmer sitzen und beobachten ob alles mit Rechten Dingen zugeht. Diese werden in aller Regel von den Parteien bezahlt damit sie sich von 7 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends in ein Wahllokal setzen.

Obwohl es oft sprachliche Probleme gab konnte man in aller Regel nach nur wenigen Sekunden erkennen wie die Stimmung innerhalb der lokalen Wahlkommission war. Die einen haben uns freundlich begrüßt (eine ältere Dame hat mir sogar Kekse und Tee angeboten wenn ich den ganzen Tag bei ihr bleibe), andere waren eher angespannt und andere wiederum waren ‘not so amused’.

Nun haben uns alle respektiert und mit uns kooperiert allerdings hat man als Wahlbeobachter nur das nicht sehr scharfe Schwert des Beobachtens und Meldens. Obwohl wir keine faktische Macht hatten, wurden unsere kleinen Beanstandungen meist schnell korrigiert. Nur ein einziges Mal hat mir ein Mann Prügel angedroht weil ich angemerkt hatte, dass er keinen Badge trägt. Bei den anderen Beobachtern gab es sehr unterschiedliche Erfahrungen. Bei den einen ist nichts Besonderes vorgefallen, andere wurden von der Polizei vernommen weil sie anscheinend Kameras in den Brillen trugen.

Obwohl man viel Beobachten kann und Zugang zu Informationen bekommt muss man auch ehrlich sagen, dass man alleine mit Beobachten Wahlbetrug kaum bekämpfen kann. Es gibt sehr viele Hinweise, dass beispielsweise viele Stimmen gekauft wurden. Diese Menschen gehen einfach ins Wahllokal, wählen was ihnen gesagt wurde und gehen wieder raus. Da kann man am Ende soviel Beobachten wie man will.

Auf der anderen Seite hat wohl alleine unsere Präsenz einige doch unter Druck gesetzt. Wenn man am Ende als Wahlbeobachter mit seinen Formularen auch wenig ausrichten kann und wenig Druckmittel in der Hand hat, hat sich die Reise für mich doch gelohnt wenn wir auch nur eine einzige gefälschte Stimme verhindern konnten.

„Together for Change“

Sonntag, 24. März 2013 von Viola

war das Motto des diesjährigen Forums der SPE-Aktivisten in Budapest vom 8. – 10.März 2013.

Aktivistenrunde

Foto: Andreas Herrmann

Knapp 200 Aktivisten aus 25 europäischen Ländern hatten sich versammelt um an Workshops mit vielfältigen Themen teilzunehmen. Darunter die Problematik wieder steigender Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern oder auch der Weg zur effektiven online-Kampagne. Das Ziel des Forums war es für jeden Teilnehmer etwas anzubieten und ich denke das wurde auch geschafft.Zita beim Abendessen

Die stellvertretende Generalsekretärin Marije Laffeber hielt eine vielversprechende Begrüssungsrede in der alle Aktivisten zu inhaltlichen Beiträgen für das neue Grundsatzprogramm aufgefordert wurden. Das Forum startete im Anschluss gleich mit Workshops zum Grundsatzprogramm und zur Gleichberechtigung – es war Internationaler Frauentag. Zita Gurmai (MdEP und Vorsitzende PES Woman) wies dabei darauf hin, dass bei der SPE als einzige europäische Partei Geschlechtergerechtigkeit im Grundsatzprogramm stünde. Im Anschluss ging es zu einem grossen öffentlichen Konzert zur Feier des Tages (Internationaler Frauentag umsonst und draussen). Abschluss des Tages war das gemeinsame Abendessen mit Zita Gurmai und Marije Laffeber, die die Gelegenheit für eine weitere Ansprache nutzten.

Ponta

Ponta MSZP/Sportstadium

Der relativ spektakuläre Einstieg in dieses Wochenende wurde am Samstag sogleich getoppt. Wir nahmen an einer Kundgebung der MSZP mit mehreren tausend Menschen (angeb. 12.000) in einem Sportstadium teil. Die neue Ära der ungarischen sozialistischen Partei sollte eingeläutet werden. Nach einem fast zweistündigem Showprogramm mit Musik, Tanz und Akrobatik wurde der neue junge Parteichef Attila Mesterhazy präsentiert. Weitere Redner waren unter anderen sowohl Sergei Stanishev (Präsident der PES/SPE) als auch Rumäniens Ministerpräsident Ponta, der sich mahnend gegen jegliche Art von Extremismus stellte und beide Länder zu einem Miteinander aufrief.

Stanishev

Stanishev beim "get together"

Zurück in der Parteizentrale der MSZP hatten wir die Gelegenheit zu einem „get together“ mit Sergei Stanishev. Persönlich hat es mir die Person Stanishev näher gebracht und deutlich gemacht, das der Mann durchaus einen „Plan“ hat. Andererseits war es auch ernüchternd gebeten zu werden als Wahlbeobachter nach Bulgarien fahren zu sollen und das eben nicht das zuerst geforderte inhaltliche Teilhaben der Aktivisten im Vordergrund steht. Aktivisten als Verteidiger der Demokratie.

Event Organisation

Panel zur Event-Organisation

Der Sonntags-Workshop beschäftigte sich mit Event-Organisation. Das Forum wurde mit der Vorführung eines beeindruckenden Films über einen Hungermarsch in Ungarn, der auf gravierende soziale Probleme im Land hinwies und Abschlussreden von Zita Gurmai, die letztlich noch mal deutlich machte wie wichtig unsere Anwesenheit in Ungarn sei, denn dort sei die Demokratie ernsthaft in Gefahr und Anna Columbo (S&D Group Generalsekretär) beendet.

Auf Wiedersehen

Auf Wiedersehen!

Nächster Termin

am: 14.03.19\\26.03.19
um: 19 Uhr
wo: Osteria Caruso, Köthener Str. 38\\KSH, Müllerstr. 153, Raum s. Anzeige

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